Diese Geschichte handelt von einem ganz besonderen Konzert, der A-Seite einer Platte, der befreiendsten Zugfahrt meines Lebens, einem Gefängnis und einem geplatzten Knoten.
Angst, einen der wenigen Menschen zu verlieren, die man wirklich liebt. Zweifel, einem Menschen, den man eigentlich kaum kennt, Vertrauen zu schenken, weil das gebrannte Kind das Feuer scheut. Verzweiflung, die Pflichten, die man sich selbst auferlegt hat, nicht erfüllen zu können.
Oder um es kurz zu sagen: Ich verbrachte die letzten Wochen mit einem Kopfkissen im Gesicht. Konnte nicht atmen. War ständig müde und erschöpft. Und böse und ungerecht zu Menschen, die es gut mit mir meinten. Hielt mich raus aus den Feierlichkeiten, aus Unlust, aus Selbstmitleid. Vereinsamte.
Im nächsten Moment machst du die Augen auf und stehst vor einer Bühne. Und vor dir ein Mann, der dich anlacht, seine Gitarre ein letztes Mal stimmt und einfach anfängt zu spielen. Und eigentlich willst du das gar nicht, aber du kannst nicht verhindern, dass dir die Tränen kommen. Und dass sie auch nach dem dritten Song nicht aufhören zu fließen. Und dass das zum ersten Mal seit einer langen Zeit keine Tränen des Unglücks sind, sondern Tränen der Erleichterung. Weil du weißt, dass alles gut wird. Ziemlich bald sogar. Dass du allen Grund hast, glücklich zu sein. Und dankbar. Und stolz.
Am gestrigen Abend ist der Knoten geplatzt. Und John K. Samson ist verantwortlich dafür. Kaum einen Musiker bewundere ich mehr. Weil er mich mit “When I Write My Master’s Thesis” anfeuert weiterzuschreiben, weil es sich lohnt. Weil er in “Letters In Icelandic From The Ninettte San” die richtige Balance zwischen Vertrauen und Vorsicht gefunden hat. Weil er mir mit “Heart Of The Continent” klarmacht, dass manche Türen zugehen müssen, damit andere geöffnet werden können.
Und weil er mir mit “One Great City” das Gefühl gibt, nicht allein zu sein. Allein in einer Stadt, die sich in den letzten Wochen von einem Zuhause in ein Gefängnis gewandelt hat. Obwohl man an jeder Ecke die Schatten wunderbarer Erinnerungen sehen kann. Auch, wenn ich das in den letzten Wochen nicht glauben konnte: Es gibt einen Weg raus.
Und auf einmal ist es gar nicht mehr so schlimm, im Zug nach Hause zu sitzen. Auf einmal kann man traurige Lieder hören, ohne zu weinen. Man kann wieder man selbst sein. Und zwar ohne Anspannung und schlechte Gefühle. Dafür hat Mister Samson gesorgt.
Darauf ein dreifaches I haaaaaaaate Osnabrüüüüü….. ähm… Winnipeeeeeeeeg!
